Mit Kraftausdauersport kannst du deine Leistungen an der Konsole verbessern
24. September 2019
von PIERRE SCHOBER

LOOX-Selbstversuch zum Start von FIFA 20

Mit Kraftausdauer zu einem besseren Gamer werden

E-Sport wird immer größer und größer. In Asien und den USA füllen die Athleten riesige Hallen. In Deutschland ist man noch ein Stück weit Entwicklungsland. Die Deutsche Sporthochschule in Köln will das ändern und hat LOOX zu einem Test eingeladen.

Pizza nur an Cheat-Days!

Die Klischees sind so alt wie das erste Computer-Spiel. Gamer sind picklig, nerdig und ernähren sich von Pizza und Cola Light. Diese Tage, wenn es sie überhaupt jemals gab, sind vorbei. Heute haben auch die E-Sportler ein großes Team um sich, zu dem sogar Köche gehören. Pizza hat auf dem Speiseplan nichts verloren – höchstens, um einen Sieg zu feiern oder an einem der seltenen Cheat-Days.

Chuck Tholl, wissenschaftlicher Mitarbeiter der „Spoho“: „Zu den Teams gehören, insbesondere bei ‚League of Legends‘, auch Analysten, die sich die Spiele im Nachgang noch einmal ansehen. Das kommt bei ‚FIFA‘ auch immer mehr.“

Gute Ernährung und Training – sowohl an der Konsole, aber auch im Gym oder Wald – gehören zum E-Sport-Alltag dazu. Doch es gibt viel Verbesserungsbedarf. LOOX hat sich auf den Weg nach Köln zur Deutschen Sporthochschule gemacht. Dort geht es für mich zum Selbsttest.

Habe ich das Zeug zum E-Sportler?

Zunächst geht es zum „Sehfeldtest“: Wie gut ist mein peripheres Sehen? Dafür wird mein Kopf fixiert und ich muss mich auf einen rotierenden Punkt auf dem Bildschirm konzentrieren. Wann immer ich ein „Aufblinken“ eines Sterns bemerke, muss ich die Maustaste drücken. Ergebnis: Ich erfasse das Sehfeld voll. Der Start ist nicht schlecht. Im Geiste geht ich schon meine Spielzüge für die nächste FIFA-Partie durch.

Der „Neutracker“ macht richtig Bock. Kommt auch gut auf jeder Firmenfeier. Es gilt, vier von acht sich in einem Raum bewegenden Bällen zu verfolgen und zu benennen, sobald das Bild einfriert. Je öfter man richtig liegt, desto schneller bewegen sich die Bälle. Bei drei Durchgängen ist mein Top-Wert, der sich aus Geschwindigkeit und den richtig erkannten Bällen zusammensetzt, 1,76. Profisportler liegen in der Regel zwischen 1,3 und 1,7. Allerdings war ich zweimal „nur“ bei 1,11 und 1,14. Ein Mittelwert für „Normalos“.

Der Reaktionstest läuft überdurchschnittlich gut für mich. Bei den visuellen und auditiven Reizen kann ich gut mit den Leistungssportlern mithalten. Bei den auditiven Reizen bin ich sogar eine Millisekunde schneller als der Durchschnitt. Besonders aber bei der „geteilten Aufmerksamkeit“ habe ich aber „verkackt“. Während Sportler bei 389 bzw. 397 Millisekunden liegen, benötige ich 548 (!). Eine kleine Ewigkeit.

Die „motorische Leistungsfähigkeit“ verläuft sehr zufriedenstellend. Beim „Aiming“ (es gilt, 20 Punkte zu treffen) bleibe ich mit beiden Händen fehlerlos und jeweils unter zehn Sekunden. Überraschend: Beim „Tapping“, es gilt, so oft wie möglich auf eine Fläche zu tippen, schneide ich mit meiner schwächeren linken Hand besser ab. In 32 Sekunden treffe ich mit links 216-mal, mit rechts 202-mal.

Zum Schluss steht der „Ausdauertest“ an. Zuerst werde ich gewogen. Wie zu erwarten war, ist mein BMI mit 28 nicht optimal. Danach geht es auf den Ergometer. Ich bekomme eine Maske auf, um zu messen, wie viel Sauerstoff ich tatsächlich aufnehme. Diese Werte sind im Großen und Ganzen okay. Da ich aber aufgrund eines Missverständnisses nicht komplett an mein Leistungslimit gegangen bin (ein gutes Pferd springt nicht höher, als es muss), sind diese Werte nur bedingt aussagekräftig. Allerdings liegt das Verhältnis zwischen eingeatmetem Sauerstoff und ausgeatmetem CO2 dennoch im zufriedenstellenden Bereich. Bei fast allen anderen Werten ist Luft nach oben.

„FIFA“ ist wie Schach

Das „Eyetracking“ – hier wird kontrolliert, wie sich das Auge während des Spiels über den Bildschirm bewegt – muss aus technischen Gründen leider entfallen. Stattdessen bekomme ich den Test eines professionellen E-Sportlers zu sehen. Ich bin beeindruckt. Der Fokus liegt tatsächlich wie bei einem Schachspieler immer schon zwei, drei Züge voraus.

Ein E-Sportler kann sich vor allem in Sachen Kondition einen Vorteil erarbeiten. Das heißt, dass das Training nicht nur am Rechner stattfindet. Tholl: „Unsere Profis haben in der Ausdauerleistungsfähigkeit definitiv noch Aufholbedarf. Wer bei solchen Turnieren, die teilweise über fünf Stunden dauern, lange konzentriert sein möchte, der braucht eine gewisse Grundlagenausdauer.“

Dabei ist aber auch der Aspekt des Ausgleichs zum „sitzenden Sport“ nicht verkehrt. Tholl: „Das Sitzen ist das größte Manko beim E-Sport. Das ist nicht schön. Wenn man acht Stunden trainiert, sollte man sich auch noch etwas bewegen. Wer dementsprechend lange fit sein will vor der Konsole, sollte eine gewisse körperliche Grundfitness haben.“

Auch im Bereich Kraftausdauer können sich Pros kleine Vorteile erarbeiten. Es hört sich aberwitzig an, aber auch nach fünf Stunden Zocken entwickelt ein Gamepad ein gewisses Gewicht. Und ein weiterer Aspekt ist nicht zu vernachlässigen. Tholl: „Diese vielen kleinen Bewegungen nutzen die Gelenke ab. Da kannst du mit entsprechender Muskulatur entgegenarbeiten. Was früher der Tennisarm war, ist heute der ‚Mausarm‘.“

Fazit: Das Gym muss nicht zwingend zur zweiten Heimat für einen E-Sportler werden, aber die Arbeit an Hanteln oder auf dem Laufband kann am Ende eines langen Turnieres den Unterschied machen. Ich habe für mich entschieden, dass ich vorerst nicht kündige und weiter ein Amateur-Gamer bleibe. 

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