Cesaros Finishing-Move, der "Swing", machte ihn berühmt
4. Juni 2019
von PIERRE SCHOBER

Training, Regeneration, Tim Wiese

WWE-Star Cesaro: „Guter Schlaf ist wie ein gutes Workout“

Der Händedruck von WWE-Star Cesaro (38) lässt erahnen, welche Kraft in dem 2-Meter-Hünen steckt. Allerdings ist der Schweizer eher ein sanfter Riese. Wir treffen Cesaro im High 5 in Berlin zum Interview.

Wie kommt man auf die Idee für so einen abgefahrenen Finishing-Move?

Prinzipiell ist es einer der ältesten Wrestling-Moves, und ich war davon schon immer ein Fan. Vor zwölf Jahren habe ich damit angefangen. Inzwischen sieht man den ja auch in „Marvel“-Filmen. Und das ist eine schöne Verbindung zwischen dem, was wir tun und den Superheroes auf der Leinwand.

Schade, dass hier im Studio nicht genug Platz ist, um den auszuprobieren.

Ich muss dazu sagen, dass ich auf der Kirmes diese Karussells, bei denen man schnell im Kreis herumfährt, nicht ausstehen kann. Die hasse ich. Da gehe ich nicht rein. Aber andere Leute im Kreis herumdrehen ist okay (lacht).

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Euer Terminstress ist ja irre. Vom Flieger ins Hotel, zu Presseterminen wie hier, Auftritt, Schlafen, Flieger. Wie schaffst du es da überhaupt noch zu trainieren?

Ich kombiniere dies mit den Interviews (lacht). Der Terminstress gehört einfach dazu. Schlaf ist für mich sehr wichtig. Oder besser guter Schlaf. Dann geht es morgens ins Fitnessstudio und abends in die Show. Körperlich und mental musst du topfit sein. Da gehört Training natürlich dazu. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg – selbst, wenn es manchmal nur 45 oder 60 Minuten sind.

Du hast es angesprochen: Machst du denn auch mentales Training?

Jeden Abend, bevor ich schlafen gehe. Da dehne und stretche ich mich ausgiebig. Für mich beginnt da das Abschalten, um mir ein wenig Zeit für mich zu nehmen. Und dann gut zu schlafen. Guter Schlaf ist wie ein gutes Workout.

Deine Schulter- und Brustmuskulatur ist perfekt. Wie trainierst du die?

Mein Training ist immer auf den Nutzen ausgelegt. Ich trainiere nicht nach dem Motto: „Ich möchte die perfekte Brust- oder Schultermuskulatur haben.“ Viele meiner Lieblingsübungen sind mit meinem Körpergewicht. Kniebeugen, Liegestütze – solche Dinge eben. Vor sieben Jahren habe ich zusätzlich mit olympischem Gewichtheben angefangen und auch Cross Fit. Davor habe ich fast nur Bodybuilding gemacht.

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Als Wrestler kannst du ja nicht nur pumpen. Du musst auch Ausdauer und Geschmeidigkeit haben.

Heutzutage hat sich der Stil weiterentwickelt. Alles ist schneller, actionreicher. Da musst du auch konditionell voll auf der Höhe sein. Zumindest wenn man für sich selbst, so wie ich auch, einen sehr hohen Standard setzt. Den will ich ja auch jedes Mal mindestens halten, besser noch übertreffen. Daher ist es für mich wichtig, funktionell zu trainieren und nicht auf „Disko-Muskeln“.

Machst du dann auch ganz klassische Einheiten auf dem Laufband?

Nicht wirklich. Wenn, dann mach ich ein wenig auf dem Crosstrainer zum Warm-up. Als Cardio-Einheiten mache ich lieber Cross Fit oder gehe draußen joggen.

Achtest du denn auch auf deine Ernährung oder sagst du dir: „Ich mach so viel, ich schleudere Leute durch den Ring. Ich hau mir jeden Tag Burger rein“?

Ich weiß nicht, ob ich könnte, aber ich will es auch gar nicht ausprobieren (lacht). Man wird ja auch älter und muss ein wenig mehr auf seine Diät achten. Ich esse relativ gesund, weil ich es aber gern mache. Ich esse nicht großartig Süßigkeiten.

Obwohl du Schweizer bist?

Als Schweizer musst du natürlich ab und an Schokolade essen. Aber nur ein kleines Täfelchen Schweizer Schoki am Tag. Das genügt mir dann schon (lacht).

Und sonst?

Sonst esse ich halt wirklich gesund, was in Europa bedeutend einfacher ist. In den Staaten habe ich einen „Meal Service“, der mir die Mahlzeiten vorgepackt schickt. Die nehme ich dann auch in einem großen Kühlkoffer mit auf Reisen. Das macht schon einen Unterschied. Wenn ich zu Hause bin, dann koche ich aber auch sehr gern. Ich mag einfache Kost. Kartoffeln, ein bisschen Hühnchen – perfekt.

Du bist 38 – wie lange kannst du noch auf höchstem Niveau kämpfen?

Es kommt auf den Wrestler und auch die Verletzungen (klopft sich an den Kopf) an. Ich denke, dass ich das bestimmt noch locker ein paar Jahre machen kann. Wann das Optimalalter für einen Wrestler ist, kann man gar nicht pauschal sagen. Ich möchte auf jeden Fall meine Karriere gern noch ein paar Jahre fortsetzen.

WWE
WWE-Star Cesaro (l.) mit LOOX-Redakteur Pierre

Als Deutscher muss ich natürlich auch nach Tim Wiese fragen. Du hast ihn gelobt, aber auch kritisiert. Unter anderem hast du gesagt: „Wohin ich schlage, wächst kein Gras mehr und erst recht keine Wiese.“ Wie gut war er denn wirklich? Was hat ihm am Ende des Tages gefehlt?

Man muss sagen, dass er sehr hart auf das eine Match hintrainiert hat. Und er hat sich da auch sehr gut geschlagen. Aber: Es ist halt nicht nur das eine Match. Es geht halt immer weiter. Bei ihm war dann halt die Frage der Priorität. Dann spielte er zwischendurch halt mal Dart (lacht).

Mit anderen Worten, es fehlte der komplette Fokus auf das Wrestling.

Er hätte noch mindestens ein oder anderthalb Jahre voll trainieren müssen, um auf das entsprechende Niveau zu kommen. Das passte aber halt einfach nicht in seinen Terminplan.

Es gibt ja immer noch Menschen, die glauben, dass Wrestling nicht wehtut und alles nur Show ist. Dennoch ist es aber ein Full-Contact-Sport. Wie kann man trainieren, um dem Schmerz und auch Verletzungen vorzubeugen?

Eine Sache ist in jedem Fall, sich im Fitnessstudio körperlich und mental optimal vorzubereiten. Ein weiterer Punkt ist die Regeneration. In den letzten Jahren hat man einen großen Schritt nach vorn gemacht. Wir machen Eisbäder, dann habe ich so einen elektronischen Stimulator, der mir hilft, beispielsweise Prellungen effektiver zu bekämpfen. Kinesio-Tapes, so wie ich es auf der Schulter getragen habe, helfen, Massagen natürlich, Chiropraktiker – da hat man in den letzten Jahren viel gelernt, was man besser machen kann. Auch ein gesunder Lebenswandel ist hilfreich.

Es gibt bestimmt auch viele Menschen, die davon träumen, ein WWE-Star zu sein. Was rätst du denen, worauf müssen sie beim Training achten?

Ach, wenn man so ein Ziel hat, hilft nur, volle Pulle darauf loszugehen. Das ist definitiv nichts, was von heute auf morgen passiert. Daran muss man lange und hart arbeiten. Man kann ja auch nicht sagen, wann es passiert. Man muss zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein und dann auch parat sein. Wenn man etwas liebt, dafür hart arbeitet, wird man am Ende des Tages auch dafür belohnt. Bei mir war es, als ich angefangen habe, nicht so, dass ich WWE-Star sein wollte. Mein Ziel war: Ich möchte im Ring stehen. Ich möchte Wrestling machen. Ich habe das dann so weiterverfolgt, bis es passiert ist. Man muss etwas finden, das man liebt, dafür hart arbeiten, dann wird man auch erfolgreich sein.

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