Um als Stuntwoman in Hollywood bestehen zu können, muss Marie sehr viel trainieren
19. Dezember 2019
von PIERRE SCHOBER

Möge die Macht mit ihr sein

Marie Mouroum ist fitter als ein Jedi!

Hollywood – made in Berlin! Marie Mouroum (27) gehört inzwischen zur Hautevolee der Traumfabrik im Bereich Stunt. Nach „Black Panther“ und „Avengers: Endgame“ gehört sie nun zur Stunt-Crew bei „Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers“ (Kinostart: 20. Dezember). Und das nächste Prestigeprojekt ist schon abgedreht.

Für viele Fans geht mit „Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers“ eine lange Reise zu Ende. Schließlich kam der erste Teil schon 1977 in die Kinos. Marie: „Ich bin damit aufgewachsen. Mein Bruder und ich haben als Kinder die Spiele gespielt und jetzt bin ich am Set dabei. Das ist schon etwas unwirklich.“

Zwei Monate allein für die Proben

Hinter der Verwirklichung dieses Kindheitstraumes steckt aber auch eine Menge Arbeit. Marie: „Ich musste zwei Monate proben. Manche Kollegen habe sich sogar sechs Monate vorbereitet.“ Denn: Sie muss jede Szene „ihres“ Stars draufhaben. Marie: „Ich lerne eigentlich alles, was im Skript gewünscht ist, probiere es aus und gucke, ob das funktioniert. Dann kommt die Schauspielerin und ich bringe ihr alles bei und versuche, sie schlussendlich auf mein Level zu bringen.“

Doch das heißt nicht, dass Marie nicht vor die Kamera muss. Marie: „Die ersten Durchläufe am Set mache alle ich. Auch, um der Regie zu zeigen, wie es auszusehen hätte und damit ein paar Takes safe sind.“ Erst dann darf der Star zeigen, was er oder sie gelernt hat. In diesem Fall war das Naomi Ackie (27). Marie: „Sie war super talentiert und hat ihre Sache sehr gut gemacht.“

Marie Mouroum privat
Marie während eines Videodrehs. Im neuen "Star Wars"-Film doubelt sie Newcomerin Naomi Ackie

Laufen für die Ausdauer – und einen freien Kopf

Um in ihrem Job so gut zu sein, investiert sie sehr viel Zeit in ihren Body. Schließlich ist der sozusagen ihr Werkzeug und Kapital. Marie: „Ich muss Kraft haben, aber auch Ausdauer ist enorm wichtig. Schließlich kann so ein Probentag beim Film schnell bis zu zehn Stunden dauern.“ Das heißt natürlich Kondition pumpen. Marie: „Für die Ausdauer gehe ich am liebsten Laufen. Zehn Kilometer, eine Stunde.“ Das hilft auch, um den Kopf freizubekommen. Marie: „Wenn ich nicht viel Zeit habe, mache ich im Fitness-Studio Intervallläufe. Eine Minute Sprinten, eine Minute langsam und das über 15 bis 20 Minuten.“

Beim Thema Muskelaufbau muss sie allerdings aufpassen. Marie: „Ich bin ein sehr hypertropher Mensch. Das heißt, ich baue sehr schnell Muskeln auf.“ Bedeutet für sie: Training mit wenig Gewicht, dafür mehr Wiederholungen. Hinzu kommen Kampfsport, Pratzentraining („Das ist wie ein Art Choreotraining“), aber auch Turnen. Marie: „Ich bin in Berlin-Schöneberg im Turnverein. Wenn ich zu Hause bin, kann ich dort in die Halle gehen.“ Da übt sie dann turnerische Classics wie Backfips, Flic Flacs oder Wall Flips, für die man Marie wahrscheinlich nachts um drei wecken könnte.

Um ein guter Stuntman/-frau zu sein, muss man aber nicht ein guter Turner sein. Marie: „Stunt ist ja ein Riesenbereich. Im Bereich Performing, in dem ich mich bewege, ist es von Vorteil, aber keine Grundvoraussetzung.“ Es ist besser, ein Allrounder zu sein, das heißt, turnerische Elemente zu beherrschen, aber auch Kampfsport-Skills draufzuhaben und sogar Tanz-Talent ist von Vorteil „Ein Backflip ist halt gut beim Casting, um anzugeben“, lacht Marie.

Nimmt der Star ab, nimmt Marie ab!

Doch „Star Wars“ ist nicht das einzige Großprojekt, das sie gerade beendet hat. Am 2. April ist sie im neuen „James Bond“-Film auf der Leinwand zu sehen (wenn man ganz genau hinschaut). Marie: „Mit acht Monaten Drehzeit war dies das längste Projekt, bei dem ich bisher mitgewirkt habe.“ Dabei denken viele, dass sie „Moneypenny“-Darstellerin Naomie Harris (43) gedoubelt hat. Stattdessen macht sie die gefährlichen Sachen für „007-Darstellerin“ (!) Lashana Lynch (32), die ihr die Sache nicht nur leicht gemacht hat. Marie: „Wenn ich double, muss ich meinen Körper ja an meinen Star anpassen. Bei Bond war ich zunächst dünner als Lashana. Das war okay. Dann hat sie während der Dreharbeiten krass abgenommen. Da ich musste ich natürlich nachziehen.“

Zuckerfreies 2020

In solchen Fällen hilft ihr dann Intervallfasten, „mit weniger Mahlzeiten über einen kleineren Zeitraum.“ Und Schoki-Verzicht, ihre große Schwäche. Marie: „Ich ernähre mich von Natur aus gesund. Ich esse kein Fleisch, sehr selten Fisch, wenig Tierprodukte. Ich versuche, mich Low Carb zu ernähren, trinke nur Wasser, keinen Alkohol, keine Cola. Meine Ernährungs-Challenge für 2020: auf industriellen Zucker verzichten.“

Im Januar darf Marie übrigens auf eine weitere Auszeichnung hoffen. Denn für „Avengers: Endgame“ ist das Stunt-Ensemble des Films für den Screen Actors Guild Award nominiert, nach dem Oscar der wichtigste Preis in Hollywood. Bereits im letzten Jahr hat sie dort für „Black Panther“ zwei Preise gewonnen („Bestes Schauspieler-Ensemble“, „Bestes Stunt-Ensemble“).

Natürlich hat Marie noch große Ziele. Marie: „Mein nächster Step wäre jetzt, eigene Action-Rollen zu spielen.“ Dass sie dazu das Zeug hat, hat sie nicht zuletzt in „Black Panther“ bewiesen. Vielleicht traut sich ja auch mal eine deutsche Produktion an das Thema Action. Talente haben wir in jedem Fall mehr als genug.

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