Florian "Big Nasty" Munteanu bewegt die schweren Eisen gerne bei McFIT
16. Januar 2019
von Markus Tschiedert

Florian Munteanu im Interview

So trainiert „CREED II“-Bösewicht Viktor Drago

„27 Jahre alt, 1,94 Meter groß, 111 Kilogramm Talent“ postete Sylvester Stallone Anfang 2018 bei Instagram, und damit war es offiziell: Florian Munteanu hat die Rolle in „Creed 2“, der ab den 24. Januar in den deutschen Kinos läuft, in der Tasche. Der inzwischen 28-Jährige Münchener hat es in Hollywood nach ganz oben geschafft. Im Interview verrät uns „Big Nasty“ wie er seinen beeindruckenden Body trainiert und was das Beintraining damit zu tun hat.

Wie hast du es geschafft an diese begehrte Rolle zu kommen?
Wenn ich es klassisch runterbrechen soll, würde ich sagen, ich habe von der Rolle mitbekommen, mich beworben, die Leute überzeugt und die Rolle gekriegt. Ich habe von der Rolle von meinem Manager gehört, der in Rumänien eine Kampforganisation hat und spezifisch nach einem Kämpfer für die Rolle im europäischen Raum gesucht wurde. Sylvester Stallone war der Meinung, es wäre leichter einem Kämpfer das Schauspielern beizubringen als andersherum.

Wie verlief dein erstes Treffen mit Stallone?
Nachdem mich mein Manager vorgeschlagen hatte, ging es mit dem Vorsprechen los. Irgendwann gab es einen Live-Skype mit Stallone, für das ich zwei Szenen vorbereitet hatte. Was soll ich sagen, ich habe ihn überzeugt. Danach musste ich nur noch nach Los Angeles, damit sich der Regisseur Steven Caple Jr. ein Bild davon machen kann, ob ich der Rolle auch schauspielerisch gewachsen wäre. Davon habe ich ihn schließlich überzeugen können.

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Time to say THANK YOU to some very special people who joined me on this great and fun journey 🙏. . Big shoutout to the man who discovered me, the OG on set @officialslystallone. Growing up with his movies since I'm lil kid, it was more than an honor to be part of this fantastic franchise and working with Sly was unbelievable. He never felt squemish about helping and sharing his experience on set with everyone, anytime. Sly also took his time to give me all kind of different advices about the acting, the fighting, the business. And I was absorbing every word he said. I knew that I had to give at least 200% and nothing else, to justify his trust and not letting him down. I always will owe you big time for this life time chance, THANK YOU to a true legend @officialslystallone ❤

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Ursprünglich hattest du aber gar keine Ambitionen, Schauspieler zu werden?
Ehrlich zu sein, hatte sich die Ambition schon ein Jahr zuvor in mir leicht herauskristallisiert. Ich hatte irgendwann für mich reflektiert, dass ich Talent dafür hätte. So legte ich den Fokus mehr und mehr in diese Richtung und dann kam die Chance und ich habe sie ergriffen.

Wie bist du darauf gekommen, dass die Schauspielerei etwas für dich sein könnte?
Ich versuche, alles erlebte zu reflektieren, um meine Stärken und Schwächen herauszufinden. Eine meiner Stärken ist, dass ich sehr gut Emotionen wieder hergeben kann. Durch Videos, die ich von mir machte, stellte ich auch fest, dass ich vor der Kamera eine Wirkung habe. Deshalb habe ich mich dazu entschieden und bis mir nicht das Gegenteil beweisen wird, höre ich damit auch nicht auf.

Dann ging es los und du musstest dich physisch auf die Rolle des Victor Drago vorbereiten. Wie sah dein Trainingsprogramm aus?
Ich musste natürlich in Top-Form kommen. Das Ding war nur, dass wir es so realitätsnah wie möglich schaffen wollten, Michael B. Jordan und mich für den im Film stattfindenden Schwergewichtskampf körperlich anzugleichen. Michael ist im Vergleich zu mir mit einem Gewicht um die 110 bis 115 Kilo eher kleiner und schmächtiger. Es war also klar, dass Michael mit dem Gewicht hoch und ich runter kommen mussten. Ich würde sagen, ich war dann auf ca. 103 Kilo und er hatte sich mindestens zehn Kilo Muskelmasse antrainiert und wog dann ungefähr 88 Kilo.

Du musstest also Muskeln abbauen?
Nein, mein Ziel war es nicht, Muskeln abzubauen, sondern ich habe meinen Körperfettanteil aus das möglichste heruntergeschraubt. Das heißt, ich habe mein Trainingspensum auf ein bis anderthalb Stunden pro Tag erhöht und habe zusätzlich mit der richtigen Ernährung dafür gesorgt, dass der Körperfettanteil immer weiter runtergeht.

Wie sah dein Ernährungsprogramm aus?
Weniger essen als sonst. Ich habe versucht, so zu essen, dass ich nach einer Mahlzeit immer noch leichten Hunger hatte. Denn ich wusste, ich muss Fett verlieren, aber nicht Muskelmasse. Deshalb sehe ich im Film immer noch sehr massiv aus obwohl ich eigentlich abgenommen habe. Das lag daran, dass meine Muskelmasse geblieben ist, aber man durch den Abbau meines Körperfettanteils praktisch auch jede Sehne sehen konnte.

Was durftest du essen?
Ich habe es ganz klassisch gehalten: Thunfisch, Pute, Reis, Gemüse, manchmal hier und da Kartoffelbrei. Ich habe mir alles immer ziemlich genau abgewogen, um noch immer etwas Hunger zu haben. Dafür habe ich mir dann auf die Zunge gebissen und versucht, ein bisschen mehr als sonst zu trinken, damit das Hungergefühl weggeht.

Kriegt man da keine schlechte Laune?
Oh, wer den Film schon gesehen hat, weiß ja, dass meine Rolle sehr düster ist. Allein von meiner mir vom Drehbuch vorgegebenen Emotionslage war ich in sehr schlechter Laune. Dann kam noch das reduzierte Essen dazu, was sein übriges getan hat. Ehrlich gesagt, war das eine harte Zeit, aber die ganze Sache hat sich ja gelohnt.

Wie viel Stunden trainierst du unter ‚normalen’ Umständen?
Also wenn ich im Training bin beläuft sich mein normales Pensum pro Tag auf dreieinhalb bis vier Stunden. Ja, das ist kein Ponyhof, man kriegt also nichts geschenkt.

Du hast einen ziemlich ausgeprägten Oberkörper mit großem Brustumfang und breiten Armen. Trainierst du diese Bereiche besonders intensiv?
Also ich habe für den Film schon ein Ganzkörpertraining absolviert, und auch wenn die Beine nicht so sehr zu sehen sein würden, habe ich die Beinmuskulatur trotzdem nicht vernachlässigt. Ich gehe sehr oft laufen und sprinten, und man darf nicht vergessen, wenn man die Beine mittrainiert, kommt die Oberkörper-Muskulatur noch mehr zum Tragen. Aber der Fokus war natürlich auf Brust, Nacken und dem Trapez, das man sehr massiv wirkt. Das war bei Michael genauso.

Was für Übungen sind dafür notwendig?
Ich versuche generell viel mit dem eigenen Körpergewicht zu arbeiten. Also für den Brustbereich kann man mehrere Variationen von Liegestützen machen – innen, außen, weitgreifend, enggreifend. Fürs Trapez sind Variationen von Klimmzügen sehr hilfreich. Für den Nacken wendet man sogenannte Shrugs an, also das Anheben der Schultern, um sie noch massiver wirken zu lassen.

Gibt es Übungen, zu denen du dich eher überwinden musst?
Generell Beine, also alles, was mit dem Oberschenkel und Unterseite vom Oberschenkel zu tun hat mache ich nicht so gern. Wade ist dann wieder okay. Ich gehe auch gern laufen, aber Quadriceps-Geräte für hinten und vorne sind nicht so mein Fall. Aber das gehört nun mal auch dazu.

Wie geht es nun mit deiner Karriere weiter?
Momentan wohne ich abwechselnd in Los Angeles und München. Das werde ich auch beibehalten, denn es gibt schon ein Folgeprojekt, das aber noch geheim bleiben soll.