Numan Acar dreht inzwischen mit Mega-Stars wie Will Smith oder Tom Holland
16. Januar 2019
von PIERRE SCHOBER

Der nette Terrorist

Numan Acar über Fitness, Hollywood und Rassismus

In „Homeland“ terrorisierte der Wahl-Berliner Numan Acar (44) die USA und weil er das so gut gemacht hat, kehrt er in der finalen Staffel in seiner Rolle als „Haissam Haqqani“ zurück. Der Charakter-Darsteller ist inzwischen in der obersten Liga in Hollywood angekommen, aber doch auf dem Boden geblieben. Im kommenden „Spider-Man: Far From Home“ (Kino-Start: 5. Juli 2019) spielt er aber ausnahmsweise einen Russen. LOOX sprach mit ihm über Hollywood, Integration – und natürlich Fitness.

Numan, du warst ein richtig guter Fußballer. Was ist davon noch übrig? Kommst du heute noch zum Kicken?

Ich habe das Gefühl, meine beste Zeit als Fußballer kommt erst noch. Bei den Senioren fühle ich mich wohl, und es macht immer noch Spaß. Freunde und ich haben eine kleine Hobby-Mannschaft. Einmal die Woche spielen wir Indoor-Soccer. Solange es körperlich geht, werde ich natürlich weiterspielen.

Was machst du, um fit zu bleiben? Gehst du ins Gym? Wenn ja, wo liegen dort deine Schwerpunkte?

Ich bin bei McFit und trainiere eigentlich schon recht regelmäßig. Körper und Geist fit zu halten, ist sehr wichtig für mich. Ich gehe auch gern draußen joggen. Natürlich gehört auch die gesunde Ernährung zur Fitness dazu. Schwerpunkte habe ich keine, ich versuche, den ganzen Körper in Bewegung zu halten.

Bei Action-Szenen ist körperliche Fitness ja sehr wichtig. Wie viel machst du selbst oder wie viel würdest du gern mehr selbst machen?

Ich versuche schon, vieles davon selbst zu machen. Es macht einfach Spaß, sich körperlich auszutoben und neue Herausforderungen anzunehmen. Manchmal muss ich mich dann doch etwas zurücknehmen und mir eingestehen, dass einige Sachen einfach ab einem bestimmten Alter nicht mehr so gehen. Das spüre ich immer wieder mal, wenn die Schmerzen länger anhalten als der Spaß. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Bin schon sehr zufrieden mit meiner Fitness.

Hast du dich jetzt für „Spider-Man“ noch einmal besonders vorbereitet?

Vor jeder Rolle kommt auch die Frage auf, wie der körperliche Zustand der Figur ist. Nachdem ich mich für einen anderen Film kurz vor Spider-Man um 15 Kilo auf ca. 70 Kilo abgemagert hatte, habe ich es jetzt nur auf 80 Kilo zurückgeschafft, bis jetzt. Bei Spider-Man hatten wir jedoch keine spezifischen Angaben zur Statur der Rolle. Ich mag aber die Qualen um jeden Schweißtropfen.

Würdest du so weit gehen wie zum Beispiel Christian Bale oder ist das bei deutschen Produktionen aus Budget-Gründen kaum möglich?

Das Projekt müsste mir schon sehr zusagen, dass ich mich auf so eine enorme körperliche Wandlung einlasse. Es würde mir zwar sehr schwerfallen, aber ich denke, ich würde es machen. Für die Beweglichkeit einer Figur spielt es schon eine große Rolle, ob man 60, 80 oder 100 Kilo auf die Waage bringt. Darum geht’s ja im Endeffekt, weil wir als Schauspieler die Zuschauer überzeugen wollen, wegen der Authentizität. Der Körper und die Sprache sind unsere wichtigsten Instrumente dabei.

Bis zu deinem Durchbruch in „Homeland“ hattest du einen für einen Schauspieler ungewöhnlichen Werdegang. Wie kam man bei „Homeland“ auf dich? Wie müssen wir uns das vorstellen?

Das sieht für Außenstehende immer größer aus als es ist. Natürlich hat „Homeland“ meine Karriere geprägt und verändert. Ich hatte mich aber schon 2012 entschieden, meinen Fokus auf internationale Produktionen zu legen. Für große Filme machte ich schon vor „Homeland“Castings. Ich wusste, dass es irgendwann klappen wird, weil es vorher immer nur sehr knapp nicht klappte. Das sind dann die Dinge, die eben nicht bekannt werden. Die aufwendigen Vorbereitungen und vielen Niederlagen haben mich schließlich sehr motiviert, besser zu werden. Bei „Homeland“ 2014 hat es dann glücklicherweise geklappt. Meine Reise als Schauspieler begann 2003. Technisch funktioniert ein Casting so, dass man ein „Self-Tape“ einreicht. Die Schauspieler bekommen Szenen zugeschickt und müssen die zu Hause spielen und online einreichen. Von den Tausenden Einreichungen zieht immer einer das große Los. Die anderen hoffen dann auf die nächste Chance.

Du drehst ja inzwischen auf der ganzen Welt. Du warst ja auch der einzige deutsche Schauspieler beim chinesischen Mammut-Projekt „The Great Wall“ (2016). Wie war die Arbeit dort? Kann man das mit Hollywood vergleichen?

Unter den Schauspielern war ich wohl der einzige Deutsche, aber ich meine, dass es im Team jemanden gab, in der Filmmusik, der in Deutschland lebt. Ja, wenn Hongkong und Hollywood zusammenkommen, dann wird es ganz groß. Zhang Yimou ist ein Meister-Regisseur und ich bin sehr glücklich, dass ich mit ihm zusammenarbeiten durfte. Die Farben, die Choreographien, die Animationen, einfach Hammer. Wir sind quer durch China gereist. Die chinesische Mauer, die Wüste Gobi, der Mondsichelsee Yueya Quan und Dunhuang. Ich habe tolle Orte gesehen und konnte natürlich Zeit mit unglaublich talentierten und herzlichen Kollegen verbringen. Das ist ein weiterer Grund, warum ich meinen Beruf so liebe.

Wie ist es für dich, mit Superstars wie Matt Damon, Will Smith oder Chris Hemsworth zu drehen?

Chris Hemsworth kenne ich nicht persönlich, obwohl wir in „12 Strong“ einen Film zusammen gemacht haben. Aber Matt Damon, Christian Bale oder Will Smith kenne ich, und die sind sehr coole Persönlichkeiten, sehr reflektiert, intelligent und haben Anstand. Das finde ich sehr wichtig in unserem Beruf. Egal wie dein Name lautet, du kannst nur Menschen berühren, wenn du ihnen auf Augenhöhe begegnest. Bei der Arbeit, also beim Dreh, da bin ich ja nicht Numan, sondern meine Figur. Und die handelt nach Vorgaben aus dem Drehbuch. Es ist dann schön zu sehen, dass wir alle hungrig nach neuen Erfahrungen und Gefühlen sind, die wir in uns oder in dem anderen während der Arbeit entdecken.

Wer ist der fitteste Hollywood-Star, mit dem du bisher gearbeitet hast?

Ich denke, das ist zurzeit Tom Holland. Ein toller Typ, schlaksig, gut gebaut, akrobatisch und eigen.

Verlassen wir mal Hollywood. Du setzt dich sehr für Integration ein. Der Sport in Deutschland lebte bisher geglückte Integration vor – war das ein Trugschluss?

Ein schwieriges Thema, das mit zwei kurzen Sätzen nicht zu beantworten ist. Ich denke, dass auf diesem Feld bis jetzt Großes geleistet wurde, aber meist auf Kosten der Migranten. Die Zeiten haben sich geändert. Wir müssen umdenken. Integrationsmuster der 80er oder 90er passen nicht mehr auf das neue und vielfältige Bild von Deutschland. Das Zugehen aufeinander muss im Vordergrund stehen, die Gemeinsamkeiten und die Zusammengehörigkeit müssen gefördert und gepflegt werden. Eigentlich ist doch dieses „Ihr müsst euch verhalten wie wir, wenn ihr dazugehören wollt“ schon längst tot. In den meisten Ländern. Auch wenn die Rechten grad viele Erfolge feiern.

Wie hast du die Diskussion um Mesut Özil und Ilkay Gündogan verfolgt?

Wieder wurde eine große Chance vertan, sich ehrlich und gesellschaftsrelevant mit dem Thema auseinanderzusetzen. Es ging meiner Meinung nach nicht um einzelne Namen, sondern mehr darum, wie sich „Migranten“ in Deutschland zu verhalten haben. Mir ist egal, welche politische Einstellung die Beteiligten haben. Aber wenn sich daraus eine solche gesellschaftliche Diskussion ergibt, dann haben sich alle Beteiligten verhältnismäßig zu verhalten. Es betrifft eben nicht nur sie, sondern Millionen von Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund, die den Traum haben, etwas für Deutschland zu leisten, nicht nur sportlich. Ich befürchte, dass viel kaputt gegangen ist.

Man wird das Gefühl nicht los, dass wir in Deutschland schon einmal weiter waren, was das Thema Integration angeht. Was können oder besser müssen wir tun?

Okay machen wir es ausführlicher. Nein, wir waren leider nicht weiter. Die Integrationsversuche der 80er und 90er, soweit es sie gab, haben nur einen kleinen Teil der Migranten eingeschlossen. Es ging meist darum: Wenn ihr euch wie wir verhaltet, dann könnt ihr auch dazugehören. Das hat viele Migranten nicht angesprochen, weil sie als Gastarbeiter oder Refugees davon ausgingen, wieder zu gehen oder gehen zu müssen. Darum sind viele Themen der Migranten nie auf den Tisch gekommen. Sie wollten als Polen, Bosnier oder Türken wahrgenommen werden und nicht als Migranten, die sich integrieren. Das wurde durch eine entsprechend restriktive Ausländerpolitik verstärkt, vielleicht auch erst verursacht.

Damals gab es zudem keine prominenten Stimmen mit Migrationshintergrund und internationaler Fan-Basis. Durch Özil hat sich das geändert. Deshalb haben seine Statements eine andere Wucht entfaltet.

Auf der anderen Seite leben wir in Zeiten, in denen das politische Klima Parteien wie der AfD in die Hände spielt und das sie selbst mit anheizen.
Das Thema Mesut Özil verdeutlichte schließlich die erschreckende Kluft in der Gesellschaft und dass wir eben mit der „Integration“ in den 90ern stehen geblieben sind. Die zu Integrierenden haben sich verändert. Heute geht es nur teilweise um die Integration von Geflüchteten oder Ausländern. Es sollte vielmehr um die Integration von Menschen jeder Herkunft in unsere Demokratie gehen. Das Wahnsinnige daran ist, dass die Betroffenen zum größten Teil deutsche Staatsbürger sind, sogar ohne Migrationshintergrund. Sie stellen das politische System zum Teil komplett infrage.

Zurück zu Özil: Ich hätte dementsprechend von den beteiligten Profis in diesen unruhigen und sehr beunruhigenden Zeiten ein professionelles Auftreten erwartet, vom DFB, von den Spielern, von allen.

Wie soll man die ganzen Antirassismus-Kampagnen und Integrations-Spots ernst nehmen, wenn es dann im Ernstfall so einsam wird um einen Betroffenen wie Mesut Özil? Wie auch immer man seine Bilder mit dem türkischen Präsidenten fand, er wurde rassistisch angefeindet. Es hätte ein Ruck durch Deutschland gehen müssen. Stattdessen gab es Floskeln und Phrasen zu hören. Das wird auf lange Zeit wirken, fürchte ich.
Wir dürfen die Augen nicht verschließen und müssen Rassismus mit allen Mitteln klug und nachhaltig bekämpfen.

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