Marco Wittmann liegt ein Rennen vor Schluss als bester BMW-Fahrer auf Rang vier der Fahrerwertung
12. Oktober 2018
von Alisha Pälmke

Kurz vorm DTM-Finale

Marco Wittmann im Interview

Mercedes, BMW, Audi und ab kommender Saison ist auch Aston Martin am Start. Die DTM boomt und mit ihr auch Marco Wittmann, der auf Platz 4 der Gesamtwertung liegt und damit der beste BMW-Fahrer dieser Saison ist. Kurz vorm entscheidenden Wochenende in Hockenheim traf LOOX den gebürtigen Franken und sprach mit dem 28-Jährigen über Angst im Motorsport, sein Kraft- und Fahrer-Training und das DTM-Finale.

Marco, das letzte Rennen steht dieses Wochenende in Hockenheim bevor. Bereitest du dich auf jede Strecke individuell vor?
Ja, man bereitet sich schon sehr intensiv mit seinem Team und mit seinen Ingenieuren auf die einzelnen Rennwochenenden vor. Da geht es in die Fahrzeugabstimmung und im Vorfeld bereite ich mich auch intensiv mit Simulator-Sessions vor.

Was ist denn eine Simulator-Session?
Das ist im Grunde eine bessere PlayStation. Da fährt man die Strecken ab und versucht sich darauf bestens einzustellen.

Wie bereitest du dich körperlich auf ein Rennen vor? Gibt es da Unterschiede zwischen den Strecken-Vorbereitungen?
Ja, es gibt Strecken, die viele Geraden haben und ruhiger sind und dein Körper sich mal entspannen kann und dann gibt es natürlich Strecken, die haben extrem viele Kurven und wenig Geraden. Das ist natürlich anspruchsvoller. Dann gibt es Strecken, die haben mehr Links- als Rechtskurven, wo die Beanspruchung eine andere ist, aber letzten Endes sind wir DTM-Fahrer eigentlich alle fit. Müssen wir auch bei einer Strecke, die eine Stunde geht. Wenn man da nicht fit ist, macht man Fehler und verliert die Konzentration.

Gibt es bestimmte Muskeln, die besonders trainiert sein müssen?
Tatsächlich alles. Wir sind wirklich durchtrainiert von Nacken bis Armmuskulatur, aber auch Bauch, Rücken und Beine, um die Stabilität im Körper zu haben. Durch die Bremsphasen haben auch die Beine eine hohe Beanspruchung, weil man teilweise praktisch 100 Kilo dabei drücken muss.

Wie sieht denn euer Training so aus?
Ich mache viel Kraft-Ausdauer-Sport. Von Laufen gehen bis Radfahren machen wir alles. Dazu eben noch Krafttraining, aber auch Mentaltraining und Koordinationstraining.

Ich habe gelesen, dass ihr ein BMW-Trainingscamp hattet. Was genau macht ihr in dem Camp?
Das geht meistens eine Woche bei uns. Da haben wir ein Trainerteam aus Italien, das sich mit Motorsport auskennt und spezialisiert ist. Bei denen sind wir immer eine Woche vor Saisonbeginn, um uns auf die Saison vorzubereiten und unsere Werte nochmals abzuchecken und natürlich auch zur Teambildung. Das ist eigentlich der Grundgedanke. Jeder trainiert natürlich auch zu Hause für sich, aber da kommen wir dann alle nochmals zusammen.

Wie schafft ihr den Spagat zwischen fit sein und Muskulatur aufbauen, aber andererseits auch nicht zu viel Muskelmasse aufzubauen? Zu viel Masse ist ja eher ein Nachteil beim Fahren.
Wir machen ja nicht das reine Bodybuilding wie jemand, der ins Fitnessstudio geht und auf Masse aus ist. Wir machen vor allem Kraft-Ausdauer, daher haben wir auch nicht so einen großen Muskelaufbau. Für uns ist wirklich mehr die Ausdauer entscheidend. Die Masse ist da nicht wichtig und wir nehmen auch nichts Spezielles ein, damit die Masse wächst. Das wäre natürlich sehr negativ.

Was ist deine Lieblingsausdauersportart?
Ich gehe gerne joggen. Vor allem draußen. Viele meiner Fahrerkollegen sind auch auf dem Rad unterwegs. Ich gehe dann so 10 bis 12 km laufen. Nicht jeden Tag, da wir ja auch viel unterwegs sind und unseren Trainingsplan dann anpassen müssen, aber Sportschuhe und Sportklamotten einpacken und eine Runde laufen gehen kann man glaube ich fast überall. Aber es gibt keinen Sieben-Tage-Plan, weil wir teilweise fünf Tage die Woche unterwegs sind. Mal bist du zwei Tage zu Hause, mal bist du auch gar keinen Tag daheim. Das heißt, man muss tatsächlich die Fitnessstudios im Hotel nutzen.

Pro Rennen, wie viel Wasser schwitzt man dann so aus?
Da gibt es keine Faustformel. Es gibt Rennen bei 30 Grad, wo es natürlich anstrengender ist als bei 12 Grad, aber ich sage mal, man verliert pro Rennen schon etwa 1 bis 1,5 Kg. Wenn es sehr warm ist auch mal 2 Kg. Am Renntag sollte man daher viel Wasser trinken.

Welche ist deine Lieblingsstrecke?
Da habe ich einige. Zum Beispiel Spielberg oder der Nürburgring. Meistens sind es die Rennstrecken, bei denen du in der Vergangenheit auch erfolgreich warst. Hockenheim ist eine schöne Strecke, aber damit verbinde ich nicht die größten Emotionen, weil ich meine Meistertitel auf anderen Strecken eingefahren habe, wie zum Beispiel am Nürburgring. Da habe ich schon zweimal gewonnen.

Was sagt deine Familie dazu, dass du Rennfahrer bist?
Die haben es mir ja in die Wiege gelegt. Meine Eltern sind selbst motorsportbegeistert. Sie sind auch selbst Rennen gefahren früher, zwar nicht in der DTM, aber auch hobbymäßig. Ich habe mit sechs Jahren das Kart bekommen und bin auf die Rennstrecke gegangen.

Hast du mal eine Schreckminute gehabt, wo du gedacht hast „Ist doch ein bisschen gefährlich“?
Ja, da gab es schon die ein oder andere Schreckminute. Ich hatte auch schon Verletzungen, aber am Ende ist es keine Angst. Man hat zwar Respekt, weil man weiß, dass Motorsport gefährlich ist, aber ich glaube, sobald die Angst mitfährt, bist du fehl am Platz.