Weltmeister! Frank Stäbler schaffte in Budapest Historisches. Jetzt fehlt nur noch eine Medaille bei Olympia
2. November 2018
von PIERRE SCHOBER

Weltmeister in drei Gewichtsklassen

Frank Stäbler: „Es geht nichts über einen schönen Döner“

In der heutigen Medienwelt geht man mit Superlativen ja sehr inflationär um. Bei Frank Stäbler (29) muss man eigentlich neue Superlative erfinden. Er wurde im Oktober in Budapest zum dritten Mal Weltmeister im Ringen – und zwar in der dritten unterschiedlichen Gewichtsklasse! Sein Geheimnis im Sport und im Leben: Er bleibt mit beiden Beinen auf dem Boden. LOOX traf den sympathischen Musberger zum Interview, und auch wir konnten ihn nicht aufs Kreuz legen.

Wie wird man Weltmeister in drei verschiedenen Gewichtsklassen?

Das war natürlich so nicht von Anfang an geplant, sondern kam mit der Zeit und Änderungen im Regelwerk. Der Weltverband hat sich umstrukturiert und so zweimal die Gewichtsklassen reformiert. Eigentlich geht das auch gar nicht. Wenn du diesen Sprung in eine andere Gewichtsklasse machst, ist das eine komplett neue Welt. Dann kommen die schwereren Jungs und du brauchst eigentlich ein paar Jahre, bis du dich mit den Schwüngen und allem, was dazugehört, zurechtgefunden hast.

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Mit anderen Worten: Du warst nicht zu faul, einfach nur dein Gewicht zu halten?

Nein. Es war der Prozess und ein Stück weit auch die Herausforderung, etwas Historisches zu schaffen, was noch keinem gelungen ist.

Ist es im Ringen leichter als im Boxen? Marco Huck tat sich bei seinem Wechsel in eine höhere Gewichtsklasse ja sehr schwer.

Ich würde behaupten, dass es im Ringen noch extremer ist. Allein von den Hebelgesetzen merkst du schon zwei, drei Kilo Muskelmasse viel mehr als beim Boxen.

Hast du beim Ringen auch Massephasen?

Massephasen nicht direkt, aber über das Jahr verteilt vier bis fünf unterschiedliche Phasen. Gerade am Anfang eines Jahres wird bei uns viel gepumpt, viel Ausdauer trainiert. Da ist man automatisch zwei oder drei Kilo schwerer. Davon zehren wir dann über die gesamte Saison. Unser Spruch ist: „Der Weltmeister wird im Winter gemacht.“

Ähnlich wie der Beachbody.

Richtig. Im Sommer gibt es nur den Feinschliff. Daher freue ich mich auf den Winter, wenn es dann weniger Mattentraining gibt.

Hast du in der Zeit auch mehr Zeit für Genuss, weil du ja mehr Kalorien zu dir nehmen musst als du verbrauchst?

Ich bin eine kleine Ausnahme. Außer in den Phasen, wo ich abnehmen muss, kann ich essen, was ich will, weil ich extreme Verbrennungswerte habe. Wenn ich trainiere, verbrenne ich 6000 Kalorien. Dennoch schaust du auf deine Ernährung. Das ist selbstverständlich.

Aber du ernährst dich nicht nur von Hühnchen und Reis?

Auf keinen Fall. Es geht nichts über einen schönen Döner. (lacht)

Wie viele Kalorien nimmst du dann zu dir?

Über die Nahrung allein ist das gar nicht reinzuholen. Ich arbeite viel mit Nahrungsergänzungsmitteln, extrem viel Kohlenhydrate, reine Dextrose.

Ist es dir schon einmal passiert, dass du vor wichtigen Wettkämpfen zu viel Gewicht hattest?

Natürlich. Durch den Wechsel in die höhere Gewichtsklasse, war es jetzt das erste Mal, dass ich nicht so extrem runtermusste. Vorher habe ich bis 66 Kilo gekämpft, bei einem Normalgewicht von 75 Kilo – und 8 Prozent Körperfett. Diese neun Kilo habe ich immer in acht (!) Tagen abgenommen.

Wie hat das funktioniert?

Durch reine Entwässerung des Körpers. Das ist der Weg durch die Hölle. Nichts essen, nichts trinken und zweimal am Tag viel schwitzen. Alles ist reiner Verzicht und Schmerzen. Man kann am Ende gefühlt gar nicht mehr schlucken, weil alles ausgetrocknet ist.

Wie sieht deine Arbeit im Gym aus?

Vorneweg: Die klassische Gym-Aspekte – Gesundheit und Optik – spielen bei uns keine Rolle. Der Freibad-Körper kommt zum Glück von ganz alleine. Muhammad Ali hat immer gesagt, dass der Weltmeister lange vorher gemacht wird, bevor er im Rampenlicht tanzt.

Da ist es wieder. Der Beachbody wird im Winter gemacht.

Ganz genau. Und du musst im Training immer 100 Prozent geben.

Aber ins „Stahlbad“ – sprich an die Hanteln – musst du auch?

Oh ja und zwar ganz extrem. Die vier Hauptübungen für einen Ringer sind Bankdrücken, Umsetzen, Kreuzheben und Bankanziehen. Seit einem Jahr bin ich allerdings davon ein bisschen weg, weil ich viele körperliche Probleme hatte. Ich habe mir einen Personaltrainer genommen und arbeite viel an der Beweglichkeit, der Schnellkraft, Koordination, Prävention und weniger mit den extrem hohen Gewichten. Es ist noch niemand Weltmeister im Ringen geworden, weil er 160 Kilo Bankdrücken macht.

Bist du ein Sklave deines Trainingsplans?

Ich bin eine kleine Ausnahme, weil ich viel mit meinem Heimatcoach trainiere. Aber zu 95 Prozent bin ich Sklave. Wenn man sich nicht gut fühlt, was in etwa jeden zweiten Tag vorkommt, heißt es, sich durchzubeißen.

Europameister, Weltmeister – bei Olympia zweimal vom Pech verfolgt. Jetzt liegt der Fokus komplett auf Olympia 2020?

Mir fehlt die olympische Medaille. Ich wollte schon in Rio Olympiasieger werden, habe mich in letzter Sekunde verletzt (Anm. d. Redaktion: Frank kämpfte mit einem gerissenen Syndesmoseband). Ich bin auf einem Fuß Siebter geworden – eigentlich gigantisch.

Wie wichtig war Promi Big Brother?

Ich bin Weltmeister in Las Vegas geworden. Das hat vielleicht 50.000 Menschen weltweit interessiert. Bei Promi Big Brother haben mich jeden Abend 3 Mio. Zuschauer gesehen. Mit den Titeln 2017 und 2018 habe ich auch allen Kritikern bewiesen, dass es nur ein kurzer Ausflug ins Showbusiness war. Und das Interesse nach dem dritten Titel zeigt mir, dass es richtig war.

Hättest du nicht die Möglichkeit, im Ausland richtig Geld zu verdienen?

Ich hatte ein Angebot aus dem Iran für den dortigen Supercup. Das hatte ich auch schon letztes Jahr, hat aber aus unterschiedlichen Gründen nicht geklappt. Dieses Jahr habe ich es aus organisatorischen Gründen abgesagt.

Du bist aktuell ja der einzige deutsche Ringer von Weltklasse-Format. Wie wichtig wäre es für dich und den Sport, wenn im Dezember der „Sportler des Jahres“ Frank Stäbler wäre oder du zumindest unter den Top drei wärst?

Das Thema begleitet mich schon die letzten Tage (lacht). Letztes Jahr, nach dem Titel in Paris, habe ich gedacht, „sicher Top Ten“. Dann wurde ich 18. Den Glauben an die Top drei habe ich aufgegeben. Aber die Top Ten denke ich schon. Alles andere wäre eine Katastrophe (lacht). Ich kann ja sportlich nicht noch mehr abliefern. Mein Tipp ist Triathlet Patrick Lange. Top drei wäre für mich ein Traum.

Nach Tokio bist du 31. Wie lange kannst du dich noch auf diesem hohen Niveau bewegen?

Meine internationale Karriere endet hoffentlich mit Gold in Tokio!