Christina lebt und trainiert in Köln. Ursprünglich kommt sie aus Franken
18. Februar 2019

Trotz Bein-Prothese

Model, Athletin, Vorbild – Christina macht vielen Frauen Mut

New-Body-Award-Gewinnerin, erfolgreiches Model, Mega-Athletin – Christina Schneider geht ihren Weg. Nicht immer ohne Schnörkel, aber immer ihr Ziel vor Augen. Dabei ist ihr jedoch eine Sache wichtig. Sie macht es „auf meine Weise“.

Sag uns bitte ein wenig über deine Vita.

Ich bin Christina, 25 Jahre alt, und komme eigentlich aus dem wunderschönen Frankenland aus Bamberg. Über Würzburg und Stuttgart bin ich nach Köln gekommen, wo ich jetzt seit einem Jahr lebe und arbeite. Ich arbeite im Marketing, habe aber eigentlich Design studiert.

Du sagst, dass du dich früher hinter deiner Prothese versteckt hast. Was war der Schlüsselmoment für dich zum Umdenken?

Mir hat der Sport extrem viel geholfen. Weil ich durch den Sport gesehen habe, dass ich gar nicht so anders bin. Ich dachte immer, dass ich mit den anderen nicht mithalten kann. Aber ich habe selbst seit zwei, drei Jahren immer wieder versucht, besser zu werden und habe gesehen, dass das geht. Ich werde niemals eine perfekte Kniebeuge machen, aber ich mache sie – auf meine Art. Das hat mir bei der Auseinandersetzung mit mir selbst sehr geholfen.

Wie war das Gefühl beim New Body Award 2017?

Das war vielleicht eine Art Schlüsselmoment. Ich habe vor tausend Menschen meine Geschichte erzählt. Als ich kurz vor der Entscheidung auf der Bühne stand, habe ich gemerkt, dass es mir überhaupt nicht ums Gewinnen ging, sondern habe einfach nur gemerkt, dass es mir gut geht und ich mit mir selbst zufrieden bin. In dem Moment habe ich gemerkt, dass ich mich selbst angenommen habe. Ich brauch mich echt nicht mehr verstecken. Mir geht es richtig gut.

Wie bist du zum Sport gekommen?

In erster Linie, weil ich abnehmen wollte (lacht).

Deine Prothese ist ein wichtiger Teil von dir. Wie sieht der Alltag mit der Prothese aus? Steht sie immer neben deinem Bett, oder wie muss man sich das vorstellen?

Das erste am Tag ist, dass ich meine Alltagsprothese anziehe. Die habe ich den ganzen Tag an. Und dann ist das im Prinzip wie Schuhe anziehen. Nur eben, dass ich links einen anderen Schuh anziehe. Meine Prothese lege ich erst kurz vor dem Schlafengehen wieder ab. Man sieht mich nie ohne Prothese.

Du schreibst oft über Selbstliebe. Wie lange hast du gebraucht, bis du dich zu 100 Prozent selbst geliebt hast? Oder ist der Prozess noch nicht abgeschlossen?

Der ist wahrscheinlich nie abgeschlossen (lacht) – aber inzwischen zu 90 Prozent. Ich bin 26, also 23, 24 Jahre habe ich gebraucht.

Du hast dein Training umgestellt. Wie sieht heute dein Trainingsplan aus?

Seit ein paar Monaten mache ich einen Zweier-Split – Ober- und Unterkörper. Aktuell liegt mein Fokus auf dem Unterkörper, weil ich meine Sportprothese erst seit anderthalb Jahren habe. Ich mache seit drei Jahren Kraftsport und habe daher noch viel nachzuholen. Mein Rücken ist im Vergleich zu meinem Unterkörper definitiv zu breit. Das versuche ich gerade zu ändern.

Welche Fitness-Ziele hast du noch?

Ich möchte mir einen Unterkörper antrainieren, mit dem ich zufrieden bin. Dass mein linkes Bein fast so gut trainiert ist, wie mein rechtes Bein. Ich wollte mal in einem Bodybuilding-Wettkampf mitmachen, aber diese Ziele sind nicht mehr so wichtig. Bei mir steht klar die Gesundheit im Vordergrund, weil ich sehr viel ausgleichen muss, da mir ein halbes Bein fehlt. Es ist wichtig, dass ich einen stabilen Rücken habe, dass ich meine Knie nicht kaputt mache. Ich werde dementsprechend auch nicht krasses Gewichtheben machen, weil ich nur ein gesundes Bein habe und das ist mir heilig!

Welche Sportarten betreibst du noch?

Ich gehe jeden Winter Skifahren, fahre seit zehn Jahren Snowboard. Früher bin ich auch viel geritten.

Hast du Vorbilder? Sind Paralympics für dich ein Ziel?

Ich hatte einmal die Chance, zu den Paralympics zu gehen, habe mich aber dagegen entschieden. Für mich ist Sport ein Ausgleich¬ ich möchte ihn nicht leistungsorientiert machen, weil ich Angst habe, dass dann der Spaß für mich verloren geht. Ich will nicht, dass es ein Zwang wird. Paola Antonini ist ein Vorbild, die ich auch bald treffe, worauf ich mich sehr freue. Bildhübsch, hat eine goldene Glitzer-Prothese (lacht). Man hat nie das Gefühl, dass es ihr an etwas fehlt, oder dass sie weniger schön ist, nur weil sie eine Prothese trägt.

Wie oft wirst du angeschrieben oder bedanken sich Menschen bei dir, dass du ihnen Mut gemacht hast?

Immer öfter, was mich auch total freut. Auf der Fibo hatte ich ein sehr schönes Erlebnis, als ein Mädchen auf mich zukam, dass auch ein Handycap hat, die mich nach meiner Persönlichkeit und nicht nach meinem Körper gefragt hat. Sie hat später dann auch noch geschrieben und sich bedankt. Sie hat erzählt, dass sie bald Abiball hat und auch ein kurzes Kleid tragen und sich zeigen möchte, wie sie ist.

Wie reagieren Männer auf dich im Gym?

Ich glaube, ein bisschen überfordert. Viele wissen nicht, wie sie damit umgehen sollen. Es werden aber auch mehr, die sich trauen, zu mir kommen und mir sagen, wie cool sie finden, was ich mache. Grundsätzlich aber reagieren sie positiv.

Wirst du auch nach Dates gefragt?

Im Gym nicht, aber über Instagram (lacht).

Welche Ratschläge hast du für Menschen, die nicht so offensiv mit ihrem „Handycap“ umgehen können?

Man sollte sich positiv mit sich selbst auseinandersetzen. Ich habe mich lange unter langen Hosen versteckt. Durch den Sport habe ich viele Momente gehabt, die zeigen, dass es geht, aber auf meine Weise. Mir hat ja niemand gesagt: „Christina, du kannst keine Kniebeugen machen.“ Das war ich selber, weil ich die Blockade im Kopf hatte. Und die muss jeder bei sich selbst überwinden.

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