McFIT-Kommunikationsleiter Pierre Geisensetter
22. November 2019

McFIT-Pressesprecher Pierre Geisensetter

„Doping ist in vielen Bereichen des Breitensports leider traurige Realität.“

Doping ist im Fitness-Sport ein weit verbreitetes Übel. Zu einfach sind die entsprechenden Substanzen zu bekommen – Internet sei Dank. Das Problem: Viele Leute denken, es sei ein Kavaliersdelikt, besonders wenn man keinen Wettkampfsport betreibt und es nur aus optischen Gründen benutzt.

Europas größtes Fitness-Unternehmen ist die RSG Group. Doping ist dort in allen Studios des Unternehmens – dazu gehören die Gyms von McFIT, HIGH5 und JOHN REED – verboten. Wir sprachen dazu mit McFIT Kommunikationsleiter Pierre Geisensetter (47).

Der Kraftsport bzw. das Bodybuilding hat, was das Thema Doping angeht, einen schlechten Ruf. Zu Recht?

Meiner Meinung nach wird hier zu wenig differenziert. Klar, das klassische Bodybuilding aus den 80ern hatte in Bezug auf Doping ein paar schlechte Vorbilder hervorgebracht, aber heute weiß man längst, dass illegale Substanzen zur Leistungsoptimierung nicht exklusiv im Kraftsport zu finden sind. Doping ist in vielen Bereichen des Breitensports leider traurige Realität. Es gibt zum Beispiel Befragungen, die vor Marathonläufen durchgeführt wurden und ergaben, dass 60 Prozent der Läufer vor dem Start Schmerzmittel eingenommen hatten, obwohl gar keine akuten Schmerzen bestanden. Dort fängt Doping schon an, das ist den meisten Hobbyathleten nicht mal bewusst. Für mich ist Doping also kein spezifisches Thema für Fitnessathleten, es sollte vielmehr ganzheitlich im Kontext Breitensport betrachtet werden.

Wie geht ihr bei der RSG GROUP mit dem Thema Doping um?

Bei uns gilt eine Null-Toleranz-Politik in Studios. Wer mit illegalen Substanzen erwischt wird, egal ob zum Eigengebrauch oder Verkauf, bekommt ein lebenslanges Studioverbot. Zudem wird der Fall zur Anzeige gebracht. Wir können nicht in die Taschen unserer Mitglieder schauen und wollen das auch gar nicht, aber als einer der erfolgreichsten Fitnessanbieter Europas haben wir eine Verantwortung, die wir ernst nehmen. Aufklärung und Information zu dem Thema müssen wir verfügbar machen und tun dies auch auf unserer viel besuchten Content Plattform LOOX.

Wie ist dort die Entwicklung über die Jahre? Abnehmend oder eher zunehmend?

Im Austausch mit unseren Mitgliedern stellen wir fest, dass Selbstoptimierung um jeden Preis für viele einfach nicht mehr dem Zeitgeist entspricht. Vielmehr beobachten wir, dass ein wachsendes Interesse für unterschiedlichste Trainingsmethoden und Ernährung vorhanden ist. Ein gesundes Körpergefühl ist heute wesentlich mehr wert. Doping stünde dem im Wege. Wir haben deswegen ja auch immer wieder unser Trainingsangebot erweitert. Mit Live-Kursen und Group-Workouts haben Mitglieder in den Studios alle Möglichkeiten, vollumfänglich und vor allem sauber fit zu werden. Okay, etwas Trainingsfleiß sei schon vorausgesetzt.

Wie schult ihr euer Personal?

Jeder unserer Mitarbeiter auf der Fläche kennt und lebt die Null-Toleranz-Haltung des Unternehmens in Bezug auf illegale Medikamente. Vor drei Jahren haben wir das Aufklärungsprojekt „Einfach sauber bleiben!“ ins Leben gerufen, um unsere Mitarbeiter in den Studios für das Thema Doping zu sensibilisieren. In Workshops haben erfahrene Präventions-Experten über die Risiken des Medikamentenmissbrauchs zur Leistungssteigerung informiert. Der erhobene Zeigefinger ist allerdings bei jungen Menschen nicht immer sinnvoll und deswegen konzentrieren wir uns vor allem auf die positiven Aspekte des Sports. Seit mehr als zwei Jahrzehnten steht McFIT für größte Motivation beim Training. Jeder unserer Kollegen in den Studios lebt das Credo, vor allem mit Fleiß und Beharrlichkeit sportliche Erfolge feiern zu können, ganz ohne illegale Hilfsmittel und das geben sie genauso an die Mitglieder weiter.

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Bedarf es einer besseren Kommunikation der Fitness-Firmen untereinander, um Doping im Fitness-Sport effektiver zu bekämpfen? Hat jemand Hausverbot wegen Dopings bei McFIT sollte dies auch bei anderen Unternehmen gelten?

Es sollte gelten, aber das lässt sich schon aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht umsetzen. Umso wichtiger ist es, dass jeder Fitnessanbieter im Kampf gegen Dopingmissbrauch eine klare Kante zeigt.

Brauchen wir in Deutschland härtere Strafen für Doping? Muss beispielsweise das in Deutschland geltende „Recht auf Selbstschädigung“ bearbeitet werden?

Gegen das Nachhelfen wurde 2015 das Anti-Doping-Gesetz eingeführt. Trotz eines Absatzes über Selbstdoping (§3) ist die Vorschrift aber hauptsächlich auf den Spitzensport zugeschnitten. Dabei ist Doping, wie wir wissen, eben auch bei Freizeitsportlern verbreitet. Durch das Gesetz sind zwar Handel und Besitz von Dopingsubstanzen verboten, nicht aber die Einnahme. Ich persönlich bin auch gegen härtere Strafen im Breitensport, denn von wegen: Wer Angst haben muss, erwischt zu werden, der dopt nicht. Diese Taktik funktioniert auch schon im Spitzensport nur begrenzt. Der Schlüssel für einen sauberen Breitensport liegt in der Aufklärung und das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.