Zu viel Säure, zu wenig Basen in unserer Ernährung? Was ist dran am Mythos Übersäuerung?
11. September 2018

Echt Ätzend!

Was ist dran am Mythos Übersäuerung?

Mythos Übersäuerung. Ist unser Säure-Basen-Haushalt im Ungleichgewicht fühlen wir uns angeblich schnell müde oder energielos. Doch hat das wirklich was mit Übersäuerung zu tun? Gibt es so etwas überhaupt? Wir haben bei unserem Ernährungsexperten Prof. Dr. Nicolai Worm nachgefragt.

Jeder hat schon einmal von einem pH-Wert gehört. Der gibt den sauren oder basischen Charakter einer Lösung an. Wenn der Wert unter sieben liegt, spricht man von einem sauren Wert, liegt er zwischen sieben und 14, ist er basisch. Der pH-Wert unseres Blutes sollte zwischen 7,36 und 7,44 liegen, um alle Körperfunktionen reibungslos ablaufen zu lassen. Mit unserer Ernährung geben wir unserem Körper Energie, welche über verschiedene Stoffwechselvorgänge unseren Muskeln und Organen zur Verfügung gestellt wird. Doch innerhalb dieses Prozesses fallen Abfallprodukte an, die der Körper über Nieren, Leber, Haut, Lunge und Darm ausscheidet. Diese Abfallprodukte können sauer oder basisch sein. Viele Menschen meinen, sie seien übersäuert und vielleicht hat der ein oder andere bereits auf einen Messstreifen gepinkelt, um das zu überprüfen.

Was bedeutet eine „Übersäuerung“?

Man hört immer wieder, dass eine Übersäuerung verantwortlich für Krankheiten oder Energielosigkeit sein kann. Doch kann unser Körper überhaupt übersäuern? „Wenn man wirklich übersäuert ist, dann ist man eigentlich bereits tot, denn dann kann der Körper nicht weiterleben“, erklärt unser Experte Prof. Dr. Nicolai Worm. „Damit das nicht passiert, hat der Körper Mechanismen, die dafür sorgen, dass er nicht übersäuert. Wenn man im Urin mit einem Indikatorstreifen, Säure nachweisen kann, dann heißt das nur, dass der Körper die Säure ausgeschieden hat, damit er gesund weiterleben kann.“ Viel von dem Mythos sei unnötige Angstmacherei der Geschäfte. „Bei sehr anstrengenden körperlichen Belastungen, bei denen man außer Atem gerät, produziert der Körper massenweise Säure – Milchsäure! Soviel kann man gar nicht säureüberschüssige Nahrung essen, wie man bei Sport produziert. Der Körper kommt damit gut zurecht indem er die Säure über die Lunge abatmet oder über den Urin ausscheidet.“ Ein saurer pH-Wert im Urin zeigt also nicht an, dass wir übersäuert sind, sondern nur, dass unsere Mechanismen noch gut funktionieren.

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Für diesen Mechanismus müssen die Organe aber natürlich funktionieren. Deshalb rät Prof. Dr. Worm zu einer gesunden Ernährungs- und Lebensweise mit regelmäßiger, anstrengender, körperlicher Aktivität und einer Kost, die an die mediterrane Ernährung anlehnt, allerdings mit wenig Zucker und stärkereichen Produkten. „Oft wird vergessen, dass auch alle Getreideprodukte einen Säureüberschuss im Körper erzielen. Wer viel proteinreiche Nahrung zu sich nimmt, sollte darauf achten viele Lebensmittel mit einem Basenüberschuss zu sich zu nehmen, also Gemüse, Salate, Beeren und Früchte.“
Man unterteilt Nahrungsmittel in vier verschiedene Gruppen:

Basenliefernde Nahrungsmittel: Obst, Gemüse, Milch, Sahne, Kräuter, Pflanzenöle
Neutrale Nahrungsmittel: Stilles Mineralwasser, Butter
Säureliefernde Nahrungsmittel: Fleisch, Fisch, Käse, Sauermilchprodukte, Getreide und Getreideprodukte

Für einen gesunden Körper hilft es außerdem, viel Wasser und ungesüßten Tee zu trinken, da die Ausscheidung von Abfallprodukten im Körper am besten über den Urin funktioniert.