Kokosöl gilt seit einigen Jahre als Superfood
19. November 2018
von PIERRE SCHOBER

Mythos Kokosfett

Superfood oder pures Gift?

Fast eine Million Klicks hat das Video eines Vortrags der Harvard-Professorin Karin Michels erreicht. Der Grund: Frau Michels hat Kokosöl als eines der schlimmsten Nahrungsmittel überhaupt bezeichnet. Dabei gilt es eigentlich als der Inbegriff eines Superfoods überhaupt. Wer hat nun bloß recht?

„Kokosöl ist gefährlicher als Schweineschmalz. Kokosöl ist das reine Gift“, so die Wissenschaftlerin. Ihr Argument: Kokosöl bestünde fast nur aus gesättigten Fettsäuren, und die würden „die Herzkranzgefäße verstopfen und führen zum sicheren Herztod“. Sie empfiehlt stattdessen Fette aus ungesättigten Fettsäuren. Dazu gehören Olivenöl, Leinöl, Rapsöl, aber auch Nüsse – also im Prinzip die mediterrane Diät.

Einmal in Fahrt räumt Frau Michels auch gleich mit anderen Superfoods auf. Chia-Samen, Goji- oder Acai-Beeren sollte man – wenn überhaupt – nur dort essen, wo sie herkommen. Ihr Schlüssel zu einer gesunden Ernährung liegt dagegen in der Ausgewogenheit mit heimischem Obst und Gemüse. Dies wäre günstiger und hätte viel weniger Schadstoffe. Langer Transport, wie bei Chia-Samen oder Goji-Beeren, schadet den Lebensmitteln. Hört sich ja eigentlich so weit logisch an.

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Ernährungsberater Jasper Caven kann sich der Harvard-Professorin nicht anschließen, ist aber auch kein Mega-Fan von Kokosöl. Caven: „Ich bin dem Kokosöl relativ neutral gegenüber eingestellt. Ich glaube nicht, dass es dieses Super-Superfood ist, aber auch nicht pures Gift.“ Er sieht die Problematik in unserer Gesellschaft viel mehr beim Übergewicht und hohem Cholesterinspiegel.

Caven: „Die Marketing-Industrie hat ein sehr schönes Produkt hinbekommen. Kokosöl ist Butter sehr ähnlich. Es ist sehr hoch erhitzbar – ähnlich wie Butter oder Ghee – und dazu auch noch vegan. Kokosöl besteht halt aus gesättigten Fettsäuren. Diese sind nicht schädlich, wir brauchen sie aber auch nicht zwingend.“ Wichtiger für den Körper sind wirklich die Omega-3-Fettsäuren, wie sie halt in Leinöl sind.

Was viele nicht wissen: Kokosfett wird in der deutschen Küche schon seit über 100 Jahren verwendet. Die bekannteste Marke: das gute, alte Palmin. Unsere Omas wussten es also schon immer am besten.