Spirulina macht deinen Green Smoothie erst richtig gesund
27. Juli 2020

Echte Proteinbombe

Die 7 wichtigsten Fragen zum Superfood Spirulina

Wenn ein Lebensmittel 57 Gramm Eiweiß auf 100 Gramm bietet, müssen doch gut gebaute Menschen (oder die es werden wollen) in den Läden Schlange stehen, um es zu kaufen? Spirulina heißt das vermeintliche Protein-Superfood aus dem Wasser. Bevor du jetzt aber das Internet leer bestellst, lies dir erst den Artikel durch, ob es wirklich etwas für dich ist.

Es ist ein scheinbar unfassbarer Wert: Spirulina hat satte 57 Gramm pflanzliches Eiweiß auf 100 Gramm. Dafür muss ein Huhn ganz schön viel Getreide picken.

Was ist Spirulina?

Bei dem Produkt, das sich anhört wie ein Sommerhit aus Italien, handelt es sich um eine Alge. Sie wächst in mineralreichen Seen, hauptsächlich in Mexiko und Afrika. Tatsächlich hat es einen Proteinanteil von 57 Prozent. Aber (Achtung: Haken): Spirulina ist im klassischen Sinne kein Lebensmittel. Es ist eher ein Nahrungsergänzungsmittel. Daher ist das durchaus hochwertige Eiweiß quasi bedeutungslos für deinen Muskelaufbau. Aber es hat anderen Nutzen.

Da Spirulina keine Zellulosewände hat, sind die Inhaltsstoffe besser bioverfügbar als etwa bei anderen Einzeller-Algen. Bioverfügbarkeit misst den Anteil eines Wirkstoffes, der unverändert im systemischen Kreislauf zur Verfügung steht.

Bekomm ich nun dickere Muskeln mit Spirulina oder nicht?

Eher nicht. Der tägliche Bedarf an Protein liegt bei etwa 50 Gramm – abhängig vom Geschlecht, Alter und natürlich dem Gewicht. Der Proteinbedarf steigt natürlich, wenn du den Muskelaufbau forcieren willst. Je nach Konstitution liegt er dann etwa bei zwei Gramm pro Kilogramm Körpergewicht. Soweit die Ernährungslehre.

Also Spirulina auf den Teller und ab dafür? Nein, bloß nicht. In einer Spirulina-Kapsel (zwei Gramm) sind 1,2 Gramm Eiweiß. Ist nicht so viel. Auch ein Löffel Pulver im Shake oder einem Green-Smoothie ist kein Ersatz, sondern halt nur eine Ergänzung. Sagt einem aber auch schon der Begriff Nahrungsergänzungsmittel. Ein erwachsener Mensch kann/sollte zwischen sechs bis zehn Tabletten oder ein bis zwei Teelöffel Granulat zu sich nehmen. Je mehr Sport du machst, desto höher kann deine tägliche Dosis sein. Gern in Kombination mit einem Vitamin-C-haltigem Fruchtsaft.

Welchen Benefit hat es dann?

Die Omega-6-Fettsäure gibt es in nicht vielen Lebensmitteln (zum Beispiel Sesamöl, Chia-Samen). Diese Aminosäure ist aber gut für die Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Auch für Allergiker lohnt sich ein Ausprobieren. Die Bildung von Histamin, ein Allergie-Auslöser, soll reduziert werden.

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So konsumierst du Spirulina richtig

Das Pulver kannst du in Smoothies, Pürees, Shakes oder sogar Kuchen verrühren. Auch in Suppen „stört“ es nicht. Am besten in Fischsuppen aller Art. Die Dosierung ist jedoch einfacher, wenn du auf Kapseln zurückgreifst. In ungetrockneter Form kannst du sie auch in Salaten verarbeiten.

Grundsätzlich ist der Anbau sogar positiv zu sehen. Er hat keine Umwelt- oder Klimaschäden – im Gegenteil. Es bindet CO2 und wandelt es in Sauerstoff um. Da die Alge im Salzwasser wächst, werden auch keine Süßwasservorräte für den Anbau benötigt.

Was muss ich beim Kauf beachten?

Spirulina-Algen sind, wie schon erwähnt, in Deutschland in der Regel als Taps, Kapseln oder Pulver erhältlich. Hierbei gibt es aber große Qualitätsunterschiede. Du solltest darauf achten, dass dein Spirulina-Produkt aus einer zertifizierten und nachhaltig produzierten Zuchtanlage kommt.

Hält Spirulina die Werbeversprechen?

Die Werbung verspricht einiges. Eine „unvergleichliche Energiequelle“, „dreimal mehr Chlorophyll als Weizengras“, „viel Vitamin B12 – wichtig für Vegetarier“. Beim letzten Punkt hakt es schon einmal gewaltig. Ja, Spirulina hat viel Vitamin B12 und es ist wichtig für Vegetarier. Das stimmt. Aber, das enthaltene Vitamin B12 ist laut „verbraucherzentrale.de“ für den Menschen größtenteils nicht nutzbar, entfällt also als B12-Quelle. Ähnlich verhält es sich mit dem enthaltenen Beta-Carotin (3,6 mg). Der recht fischige Geschmack bleibt hingegen unerwähnt.

Dazu soll es bei Schmerzerkrankungen, zur Gewichtsreduktion, Krebsvorbeugung und sogar bei der Behandlung von HIV-Infektionen helfen. Studien dazu gibt es allerdings, soweit bekannt, keine. Es gibt Untersuchungen mit Tierversuchen, allerdings ohne Rückschlüsse auf den Menschen. Dazu bindet es Eisen. Dies kann zu Eisenmangel führen, speziell, wenn du es sehr häufig konsumierst.

Superfood oder Nonsens?

Die Frage kann mit einem klaren „weder noch“ beantwortet werden. In den Regionen, wo es bereits seit Jahrhunderten einen festen Platz im Speiseplan hat, ist es wegen seiner hohen Nährstoffdichte sehr beliebt. In unserer Gesellschaft gibt es allerdings genug Alternativen. Daher ist es schlicht und ergreifend kein Superfood. Als Nahrungsergänzungsmittel erfüllt es allerdings seinen Zweck. Der ökologische Aspekt ist – wie bei vielen anderen Algen-Arten – aber nicht von der Hand zu weisen. Es wird jedoch noch lange dauern, bis Algen im Allgemeinen dauerhaft den Weg auf (deutsche) Teller finden.