Ein Essen ohne Salz? Unvorstellbar
22. August 2018

Lasst euch das Salzen nicht vermiesen

Hier lauert die wirkliche Gefahr!

Weißes Gold oder Teufelszeug? Die Rede ist vom Salz. Bisher hieß es häufig, dass zu hoher Salzkonsum automatisch zu Herzkrankheiten führt. Dem widersprechen allerdings diverse den Studien aus den letzten Jahren. Nun hat eine besonders genau und präzise kanadische Studie mit 96.000 Probanden in 18 Ländern diese Salz-Saga überzeugend widerlegt. LOOX wollte es genau wissen und sprach dazu mit dem Ernährungsexperten Prof. Dr. Nicolai Worm.

Dr. Worm: „Wichtig ist für die LOOX-Leser zwischen Natrium und Kochsalz – also Natriumchlorid – zu unterscheiden. Da wird schon im Vorfeld vieles falsch gemacht.“ In der Studie wurde herausgefunden, dass Salz zwar den Blutdruck etwas erhöht, aber nicht das Risiko für Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems.

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Ist Salz besser als sein Ruf?

Für Dr. Worm ist die allgemeine Verteufelung von Salz schon fast „lächerlich“. Dr. Worm: „Der Blutdruck mag bei Gesunden minimal steigen, wenn man mehr Salz zu sich nimmt bzw. minimal sinken, wenn es stark reduziert. Das heißt aber noch lange nicht, dass man dadurch mehr oder weniger gesund ist. Darum geht es ja auch in der kanadischen Studie, dass ein Salzkonsum wie er bei uns im Mittel üblich ist (8-10 Gramm/Tag) nicht etwa mit früherer bzw. erhöhter Sterblichkeit und Herz-Kreislauf-Erkrankungen einhergeht, sondern mit dem geringsten Risiko.“ Über acht Jahre wurden die Probanden beobachtet. Demnach stieg das Schlaganfallrisiko nur in Regionen, wo der Salzkonsum über 12 Gramm täglich lag (z.B. China). Das Herzinfarktrisiko stieg dagegen sogar an, wenn so wenig konsumiert wurde, wie von der WHO und verschiedenen Ernährungsfachgesellschaften gefordert wird. Relevant ist ein geringer Salzkonsum nur für Menschen mit etabliertem Bluthochdruck.

Der Experte sieht das Hauptproblem in der Ernährung der Deutschen nicht im Salz: Kaliummangel ist die wirkliche Gefahr!

Dr. Worm: „Ganz wichtig in dieser Thematik ist, was oft verdrängt oder nicht behandelt wird, dass weniger Salz (für Hochdruckkranke) das eine ist. Aber mehr Kalium, quasi der Gegenspieler vom Salz, das andere. Kalium ist besonders wichtig, und da haben wir in Deutschland eine schlechte Versorgung. Kalium wirkt blutdrucksenkend. Man findet es vor allem im Gemüse und Früchten, davon wird in Deutschland zu wenig gegessen. Der Deutsche greift statt dessen zu reichlich Getreide- und Convenience-Produkten, die meist salzreich und kaliumarm sind.“ Auch die kanadische Studie stützt die Position von Dr. Worm. Demnach senkt Kalium das Risiko von Herzinfarkten oder Schlaganfällen. Es ist aber auch wichtig für die Hormon-Freisetzung oder die Verwertung von Kohlenhydraten oder Eiweiß.

shutterstock.com / Alexander Raths

Wie viel Salz am Tag ist okay?

Der Kochsalz-Lieferant Nummer eins in Deutschland ist das Brot. Der optimale Tagesverbrauch liegt bei acht bis 13 Gramm Natriumchlorid pro Tag. Dann ist das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen – Erkrankungen, die das Herz und die Gefäße betreffen – am geringsten. Der Konsum in Deutschland liegt bei acht Gramm (Frauen) bzw. zehn Gramm (Männern) täglich. Eine Empfehlung zur Natrium-Zufuhr (in Deutschland bei ca. fünf Gramm/Tag) wird nur bei Menschen mit Hypertonie (Bluthochdruck) ausgesprochen.

Fazit: Hier und da mal eine Prise Salz zu viel ist nicht automatisch gefährlich. Schlimmer wirkt sich Kaliummangel auf unser Herz-Kreislauf-System aus. Das heißt: Esst mehr Obst und Gemüse. Dann lebt ihr (wahrscheinlich) länger.

DR. NICOLAI WORM, geboren 1951 in München, studierte Oecotrophologie an der TU München und promovierte an der Universität Gießen. Von 1979 bis 1985 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Sozialmedizin, Prävention und Rehabilitation in Tutzing/Starnberger See. Lehrtätigkeiten im Bereich Sporternährung (Trainer-Akademie, Deutscher Sportbund, Köln; Universität Innsbruck). Von 1996 bis 2007 Mitglied des Humanwissenschaftlichen Zentrums (HWZ) der Ludwig-Maximilian-Universität in München. Viele Jahre deutscher Vertreter in der Expertengruppe „Ernährung und Wein“ beim Office International de la Vigne et du Vin (Internationaler Weinbauverband, O.I.V.) in Paris; er fungiert als wissenschaftlicher Beirat der Deutschen Weinakademie in Mainz. Seit 1987 ist er als Referent in der ärztlichen Fortbildung tätig und seit 2009 Professor an der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement (DHPG).

Einem breiten Publikum durch zahlreichen Bücher (einige Bestseller) und durch TV-Auftritte bekannt. Er ist der Vater der LOGI-Methode und der bekannteste deutsche Vertreter kohlenhydratreduzierter Kostformen (Low-Carb-Ernährung). Bei seinem neuen Präventionskonzept „Flexi-Carb“ wird die Kohlenhydratzufuhr abhängig von der Muskel-Aktivität gemacht.

Mehr Info unter: www.nicolai-worm.de